Nein, meine Söhne geb ich nicht

Ein politisches Wort

Wir haben gelernt, dass Kriege mit Waffen beliefert werden müssen, damit die Guten gewinnen. Es gibt aber keine Guten im Krieg. Es gibt auch keine Gewinner im Krieg. Die Angst ist groß. Das Weltgeschehen ist so komplex geworden, dass es schwer ist,  zu beurteilen und noch schwerer, etwas zu bewirken. Der politische Standunkt ist eindeutig, wenn wir uns Christen nennen. Selig sind, die Frieden stiften. Frieden stiftet man nicht durch Gewalt. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das ist die Logik der Gewalt und des Krieges.

Mir ist mit jeder Nachricht unwohl, dass wir wieder Waffen liefern. Wir werden Schritt für Schritt herangeführt Krieg zu führen als unsere unhinterfragte Pflicht. Feindbilder werden etabliert. Und schlägt einer vor, die Waffen niederzulegen, wie Papst Franziskus es tat – wie wurde er dafür angegangen? Soll er Waffen segnen und Krieg heilig sprechen?

Was ist die Alternative? Es muss erlaubt sein, gemeinsam darüber nachzudenken. Wir werden nach und nach verwickelt in ein erneutes Aufrüsten. Verwickelt in Krieg und Gewalt zu vertrauen. Die Sicherheit, die sie versprechen, ist die Hölle. Wir sind doch gerade den Kriegstraumata entkommen. Meine Eltern gehören zu dieser Generation. Meine Mutter hat als kleines Kind an der Hand ihrer Mutter ihre Heimat Ostpreußen verlassen – mein Vater seine Heimat Oberschlesien. Meine Eltern sind kriegstraumatisiert. Wollen wir das wieder? Wollen wir das schon wieder? Es lassen sich auf allen Seiten Menschen finden, die für den Frieden aufstehen. und ihre Söhne und Töchter schützen, so wie es Reinhard Mey vor vielen Jahren gesungen hat.

Pfarrerin Claudia Henrich-Eck

 

 

https://youtu.be/1q-Ga3myTP4?si=G8EfWOZzKfcroL6d

Nein, meine Söhne geb ich – Reinhard Mey ( und Freunde)

Ich denk, ich schreib euch besser schon beizeiten
Und sag euch heute schon endgültig ab
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten
Um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab!

Ich lieb die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und, wo immer es ging, lieben gelehrt!

Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind′s wert, dafür zu töten und zu sterben

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter
Nicht für euch hab ich manche Fiebernacht

Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
Und kühlt ein kleines glühendes Gesicht
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Sie werden nicht in Reih und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt
Auf einem gottverlass′nen Feld erfrieren
Während ihr euch in weiche Kissen setzt

Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren

Ich werde sie den Ungehorsam lehren
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit

Ich werd sie lehr’n, den eig’nen Weg zu gehen
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht
Vor keinem als sich selber g′radzustehen

Und eher werde ich mit ihnen fliehen
Als dass ihr sie zu euren Knechten macht
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen
In Armut und wie Diebe in der Nacht

Wir haben nur dies eine kurze Leben
Ich schwör′s und sag’s euch g′rade ins Gesicht:
„Sie werden es für euren Wahn nicht geben“
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Writer(s): Reinhard Mey Lyrics powered by www.musixmatch.com