Dankbarkeit ist heute selten geworden. Wir haben hohe Ansprüche. Schnell hat man den Eindruck, zu kurz zu kommen. Wir scheinen immer mehr zu brauchen, anstatt zu genießen. Immer sind die anderen schuld, wenn es einem nicht gut geht. Sie geben nicht, was man doch unbedingt zum Leben braucht. Der französische Philosoph Pascal Bruckner vergleicht den Menschen mit einem Riesenbaby, das nicht genug bekommen kann.

 

Der Engel der Dankbarkeit möchte einen neuen Geschmack in dein Leben bringen.

Er möchte dich lehren, alles mit neuen Augen anzuschauen. Mit den Augen der Dankbarkeit. Du kannst mit einem dankbaren Blick auf den neuen Morgen schauen. Du kannst ( einigermaßen) gesund aufstehen. Du siehst die Sonne aufgehen. Du bist dankbar für den Atem, der dich durchströmt. Du bist dankbar für die Gaben der Natur. Du schaust auf das in deinem Leben, was dich dankbar werden lassen kann.

Dankbarkeit macht das Herz weit und froh. Du bist nicht fixiert auf Dinge, die dich runterziehen. Du fängst den Morgen nicht gleich mit Ärger über irgendein kleines Missgeschick an.

Es gibt Menschen, die sich das Leben schwer machen, weil sie hauptsächlich das Negative sehen. Je mehr man auf das Negative sieht, umso mehr erlebt man auch davon.

 

Ich habe mit den Kindern in der Schule das neue Jahr damit angefangen, dass jede/r in ein Herz oder eine Wolke eintragen konnte, wofür er/sie dankbar ist. Es war ganz rührend, denn es kamen so grundlegende Dinge::

Ich bin dankbar, dass ich Freunde habe, dass ich Eltern habe, dass es geschneit hat und Gott das Wetter macht, dass ich Fußball spielen kann, dass es meiner Schwester gut geht gerade.

 

Wenn du zu danken anfängst, wirst du erkennen, was dir in deinem Leben alles gegeben wurde.

Du wirst dankbar sein für deine Eltern, die dir das Leben gegeben haben. Du wirst dankbar sein für alle positiven Erfahrungen durch sie, aber auch für alle Wunden und Verletzungen, denn sie haben dich zu dem geformt, die du jetzt bist. Ohne Wunden wärest du satt und unempfindlich. Du würdest andere Menschen in Not und Leid nicht verstehen.

Der Engel der Dankbarkeit möchte dir die Augen dafür öffnen, dass sich deine Wunden zu einem kostbaren Schatz verwandeln.

Der Engel der Dankbarkeit schenkt dir neue Augen um die Schönheit wahrzunehmen und zu genießen. Die Wiesen und Wälder, die Berge und Täler, die Schönheit des Meeres, der Flüsse, der Seen, die Anmut eines Rehs. Wie Gott dich dadurch berühren möchte.

Wer dankbar auf sein Leben schaut, hört auf gegen sich und sein Schicksal zu rebellieren. Er erkennt, dass täglich neu ein Engel in sein Leben tritt, um ihm die liebende und heilende Nähe Gottes zu vermitteln.

Versuche, mit dem Engel der Dankbarkeit in dein neues Jahr zu gehen. Du wirst sehen, wie alles in ein anderes Licht eintaucht und dein Leben einen neuen Geschmack bekommt.

Du kannst den Engel der Dankbarkeit auch bitten, dass er zu dir kommt. Immer dann, wenn du dich dabei ertappst, traurig und unzufrieden zu werden.

Der Engel lehrt dich, die Menschen und Verhältnisse, die dich umgeben, so anzunehmen wie sie sind. Eine Frau betete jahrelang für ihren alkoholkranken Mann, dass er sich ändern möge. Erst als sie den Mut aufbrachte, für ihren Mann zu danken, so wie er ist-  dass er da ist – ergab sich für ihn die Möglichkeit, sein Leben zu ändern, weil er nicht mehr den Anspruch an sich fühlte. Weil er sich angenommen und bejaht fühlte, brauchte er keinen Alkohol mehr.

Kennen Sie den sogenannten Vorführeffekt?

Schon schaut einer zu, geraten die Dinge anders als gewohnt. Meistens geht etwas daneben. Was eigentlich sicher saß, auf einmal ist es zunichte. Ärgerlich. Manchmal ist es aber auch besser als gedacht! Wenn mich einer beobachtet, sein Augenmerk auf mich richtet, dann verändert sich etwas. Das ist selbst in der Quantenphysik so. Eine der sonderbarsten Annahmen der Quantentheorie, die Philosophen wie Physiker schon seit langem fasziniert, lautet, dass durch die Beobachtung einer Gegebenheit der Beobachter diese beeinflusst.
In einer Studie führten Forscher am Weizmann-Institut ein kontrolliertes Experiment durch, das demonstriert, wie Elektronen durch den Akt der Beobachtung beeinflusst werden.

Man kann nicht beobachten, ohne zu verändern. Werner Heisenberg

Was bei Elektronen der Fall ist, geschieht auch bei uns Menschen. Die Art und Weise, wie wir uns gegenseitig beschauen und beantworten, hat Auswirkung auf die eigene Realität. Sehen und Gesehenwerden. Nicht gesehen zu werden in dem, was einer tut, kann und leistet, macht krank. Nichtbeachtung ist Vernachlässigung.

Die Jahreslosung für das Jahr 2023 lautet: Du bist ein Gott, der mich sieht. ( 1. Mose 16,13)

Ihn spricht eine ausgestoßene Frau, die alleine in der Wüste umherirrt. Sie ist Stammmutter des Islams. Hagar, die zusammen mit Abraham Ismael zeugt. Sie erfährt, dass Gott sie sieht. Das allein schon verändert ihre Situation. Im Glauben an einen liebevollen, verstehenden Gott entsteht eine innere Repräsentanz, die einen Menschen unabhängig von den Begutachtungen anderer macht. Durch die Erfahrung von Gott gesehen zu werden, weiß sie, dass ihre Würde unantastbar ist. Sie lässt sich leiten allein von diesem in Würde und Liebe getragenen Blick. Wer das erfährt und das selbst lebt und ausstrahlt, auf dem liegt Segen.

Ihre Pfarrerin Claudia Henrich-Eck

 

 

 

„Wisst ihr nicht, dass euer Körper ein „Tempel“ Gottes ist?“

 

Menschen bekämpfen ihren Körper allzuoft – “ gelobt sei, was hart macht“…Nur keine Schwäche zeigen, sich nicht gehen lassen. Verstecken, Verleugnen und Übergehen von Beschwerden sind üblich und akzeptiert.

Für Schmerzen gibt es Tabletten, für unangenehme Regungen gibt es Ablenkung durch Alkohol, innere Leere und Gefühle von Einsamkeit werden mit Aktivität übertönt.

Anstatt darauf zu lauschen, was uns eine Krankheit sagen will, was wieder in Balance gebracht werden möchte, machen wir den Körper mundtot und versuchen, ihn zu unterdrücken.

Christlicherseits hörte man Worte wie „wen Gott liebt, den züchtigt er“ – schwarze Theologie ist das – Missbrauch der Bibel.

Die Mystikerin Theresa von Avila dagegen findet zu der körperfreundlichen Aussage:

Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen!

Auch Paulus formuliert im Brief an die Korinther eine zutiefst christliche Erlaubnis, ja fast sogar ausdrückliche Ermahnung, für das Wohlbefinden des Körpers aufmerksam zu sorgen. Spricht nicht auch die Körperwerdung Gottes in Jesus davon?

Sich und seinen Körper zu lieben, zu ehren und zu achten ist Ausdruck tiefer Religiosität und nicht Körperkult.

Hören, was sich mir darin mitteilen möchte.

Spüren, was mir gut tut auf dem Weg zu Bewusstwerdung und geistiger Neuorientierung.

Das passt zur Vorbereitungszeit auf Ostern hin. Die Fastenzeit intensiv damit zu verbringen, sich in seinem eigenen Körper zu lieben. Auch die schwächlichen, kranken Seiten liebevoll anzunehmen, denn das macht heil. Einander lieben und annehmen lernen, gerade da, wo Schwäche und Krankheit herrschen, das bringt Heil. So hat es uns Jesus vorgelebt und Wunder vollbracht.

 

Die Nähe eines Menschen

Wußten Sie schon,

daß die Nähe eines Menschen

gesund machen,

krank machen,

tot und lebendig machen kann?

Wußten Sie schon,

daß die Nähe eines Menschen

gut machen,

böse machen,

traurig und froh machen kann?

Wußten Sie schon,

daß das Wegbleiben eines Menschen sterben lassen kann,

daß das Kommen eines Menschen wieder leben läßt?

Wußten Sie schon,

daß die Stimme eines Menschen

einen anderen Menschen

wieder aufhorchen läßt,

der für alles taub war?

Wußten Sie schon,

daß das Wort

oder das Tun eines Menschen

wieder sehend machen kann

einen,

der für alles blind war,

der nichts mehr sah,

der keinen Sinn mehr sah in dieser Welt und in seinem Leben?

Wußten Sie schon,

daß das Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld,

mehr als Medikamente,

unter Umständen mehr

als eine geniale Operation?

Wußten Sie schon,

daß das Anhören eines Menschen Wunder wirkt,

daß das Wohlwollen Zinsen trägt,

daß ein Vorschuß an Vertrauen hundertfach auf uns zurückkommt? Wußten Sie schon,

daß Tun mehr ist als Reden?

Wußten sie das alles schon?

Wußten sie auch schon,

daß der Weg vom Wissen über das Reden zum Tun

interplanetarisch weit ist?

WilhelmWillms

 

 

 

Auf der Suche nach dem Göttlichen

Der Meister war in mitteilsamer Stimmung, also versuchten die Schüler von ihm zu erfahren, welche Entwicklungsstufen er auf seiner Suche nach dem Göttlichen gemacht hatte.

„Zuerst nahm mich Gott an der Hand und führte mich in das Land der Tat. Und dort blieb ich mehrere Jahre.

Dann kehrte er zu mir zurück und führte mich in das Land des Leidens. Dort lebte ich bis mein Herz von jeder übermäßigen Bindung gereinigt war. Darauf fand ich mich wieder im Land der Liebe, dessen Flamme alles verzehrte, was von meinem Selbst übrig geblieben war.

Und das brachte mich in das Land der Stille, wo die Geheimnisse von Leben und Tod vor meinen staunenden Augen enthüllt wurden.

„War das die letzte Stufe eurer Suche?“

„Nein“, sagte der Meister, „eines Tages sagte Gott: Heute werde ich dich in das innerste Heiligtum des Tempels mitnehmen, in das Herz von Gott selbst.

Und ich wurde in das Land des Lachens geführt.“  (de Mello)

 Ich habe keine Zeit – ich bin meine Zeit

Ich habe keine Zeit. Keine Minute, die mir gehört. Auch
dieser Tag ist schon wieder „völlig zu“. Ich fühle mich jetzt schon wie durch. Der Wettlauf mit der Zeit hat bereits wieder begonnen. Am Anfang der Coronabeschränkungen haben mir viele Menschen fast gestanden,

wie gut es

ihnen tut entschleunigt zu werden. „Das hat einmal sein müssen – wir rennen doch alle nur noch von einem Termin zur nächsten Aufgabe!“ 

Aber: Die kostbaren Minuten rennen nur so. Ich muss mich beeilen, sonst geht mein nächster Termin baden. Es ist nicht nur schrecklich, keine Zeit zu haben. Es ist sogar schick! Zeitnot ist ein unverzichtbares Statussymbol. Denn wer Zeit hat, hat ja wohl offenbar nichts ( Gescheites ) zu tun oder? Menschen fühlen sich wichtig, wenn sie andere unter Druck setzen können, die offenbar zu langsam sind. 

Ich bin mal an einem Haus vorbeigekommen, vor dem ein Mann auf der Bank in der Sonne saß. Als er mich sah, war sein erster Impuls, sich zu entschuldigen, dass er da einfach saß und genoss. Dabei hatte mich dieser Anblick herzlich erfreut!

 „Machen Sie mal eine Pause, steigen Sie einfach mal aus und denken Sie über sich und Ihre Zeit nach“, schlug neulich mal jemand vor. Sehr klug und sehr zeitgerecht, aber zum Denken braucht man Zeit und zum Aussteigen auch! Schließlich muss ich, die ich mir für mich selbst Zeit nehmen will, mich in eine Lücke zwischen zwei Aufgaben oder Terminen quetschen.

Wenn du es eilig hast, gehe langsam 

Das japanische Originalzitat heißt übrigens: „Wenn du es eilig hast, mache einen Umweg.“ Es klingt paradox: Wer sich unter Stress und Zeitdruck bewusst mehr Zeit für die einzelnen Tätigkeiten nimmt, kann mehr erledigen und erzielt bessere Ergebnisse. Unser Gehirn ist wesentlich leistungsfähiger, wenn wir ruhig, konzentriert und erholt sind.

Jesus hat seine ganz eigene Sicht auf die Zeit gehabt. Er hat von einem Reich der Liebe geträumt. Er nannte es Reich Gottes. Dieses Reich fängt seiner Vorstellung nach nicht erst nach diesem Leben an, sondern jetzt: Es ist da! Hier – Jetzt. 

„Denn Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch.“   Ihre Pfarrerin C. Henrich-Eck