Ich habe keine Zeit – ich bin meine Zeit

Ich habe keine Zeit. Keine Minute, die mir gehört. Auch
dieser Tag ist schon wieder „völlig zu“. Ich fühle mich jetzt schon wie durch. Der Wettlauf mit der Zeit hat bereits wieder begonnen. Anfang der Coronabeschränkungen haben mir viele Menschen fast gestanden,

wie gut es

ihnen tut entschleunigt zu werden. „Das hat einmal sein müssen – wir rennen doch alle nur noch von einem Termin zur nächsten Aufgabe!“ 

Aber: Die kostbaren Minuten rennen nur so. Ich muss mich beeilen, sonst geht mein nächste Termin baden. Es ist nicht nur schrecklich, keine Zeit zu haben. Es ist sogar schick! Zeitnot ist ein unverzichtbares Statussymbol. Denn wer Zeit hat, hat ja wohl offenbar nichts ( Gescheites ) zu tun oder? Menschen fühlen sich wichtig, wenn sie andere unter Druck setzen können, die offenbar zu langsam sind. 

Ich bin mal an einem Haus vorbeigekommen, vor dem ein Mann auf der Bank in der Sonne saß. Als er mich sah, war sein erster Impuls, sich zu entschuldigen, dass er da einfach saß und genoss. Dabei hatte mich dieser Anblick herzlich erfreut!

 „Machen Sie mal eine Pause, steigen Sie einfach mal aus und denken Sie über sich und Ihre Zeit nach“, schlug neulich mal jemand vor. Sehr klug und sehr zeitgerecht, aber zum Denken braucht man Zeit und zum Aussteigen auch! Schließlich muss ich, die ich mir für mich selbst Zeit nehme will, in eine Lücke zwischen zwei Aufgaben oder Terminen quetschen.

Wenn du es eilig hast, gehe langsam 

Das japanische Originalzitat heißt übrigens: „Wenn du es eilig hast, mache einen Umweg.“ Es klingt paradox: Wer sich unter Stress und Zeitdruck bewusst mehr Zeit für die einzelnen Tätigkeiten nimmt, kann mehr erledigen und erzielt bessere Ergebnisse. Unser Gehirn ist wesentlich leistungsfähiger, wenn wir ruhig, konzentriert und erholt sind.

Jesus hat seine ganz eigene Sicht auf die Zeit gehabt. Er hat von einem Reich der Liebe geträumt. Er nannte es Reich Gottes. Dieses Reich fängt seiner Vorstellung nach nicht erst nach diesem Leben an, sondern jetzt: Es ist da! Hier – Jetzt. 

„Denn Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch.“   Ihre Pfarrerin C. Henrich-Eck